Am 6. Mai 2008 wird das Berliner Spreeufer zwischen Luther- und Moltkebrücke nach Dr. Magnus Hirschfeld benannt, dem Vorkämpfer der Homosexuellenbewegung.
Genau 75 Jahre zuvor hatten die Nationalsozialisten Hirschfelds „Institut für Sexualwissenschaft“ geplündert, das ganz in der Nähe am heutigen Kanzleramt stand. Auf Initiative des Leben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg e.V. hatte die Bezirksverordnetenversammlung von Mitte am 21. Februar 2008 die Ehrung von Hirschfeld beschlossen.
Die Einweihung des Ufers findet am 6. Mai 2008 um 13.30 Uhr statt. Neben dem Bürgermeister von Berlin Mitte Dr. Christian Hanke und LSVD-Vertretern werden u.a. die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Lala Süsskind, Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und Berlins Integrationssenatorin Dr. Heidi Knake-Werner teilnehmen. Der Sexualwissenschaftler Dr. Martin Dannecker wird die Festrede halten. Mit der Aktion „Verbrannte Bücher“ soll die ausstehende Restitution für die Plünderung von Hirschfelds Institut angemahnt werden.
Um die Erinnerung an Hirschfeld wachzuhalten, soll zudem ein Denkmal errichtet werden. Ein Neuguss der Bronzebüste Hirschfelds, die die Nationalsozialisten bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 ins Feuer warfen, soll zu diesem Zweck am Spreeufer aufgestellt werden. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und der Bürgermeister des Bezirkes Mitte rufen dazu auf, den Bau des Hirschfeld-Denkmals mit einer Spende zu unterstützen. Spenden ab 1.000 Euro sollen auf dem Sockel des Denkmals erwähnt werden. Spenden für das Denkmal sammelt das Bildungs- und Sozialwerk des LSVD Berlin-Brandenburg, Konto 082 44 33 01 bei der Deutschen Bank, BLZ: 100 700 24.
Der Sexualwissenschaftler Dr. Magnus Hirschfeld war der wohl wichtigste Vertreter der ersten Homosexuellenbewegung. 1897 gründete er das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK), die weltweit erste Organisation, die gegen die Diskriminierung Homosexueller kämpfte. Zu dessen ersten Initiativen gehörte eine Petition zur Abschaffung des § 175, der die männliche Homosexualität kriminalisierte. Nach Hitlers Machtübernahme plünderten SA-Männer Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft. Beim Fackelzug zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wurde eine dabei geraubte Büste von Hirschfeld wie eine Trophäe mitgeführt. Zahlreiche Bücher aus dem Institut und auch die Büste wurden ins Feuer geworfen. Hirschfeld ging ins französische Exil, wo er 1935 starb.
(Quelle: Pressemitteilung des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg e.V.)