Das neue Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am Berliner Tiergarten ist rund zweieinhalb Monate nach seiner Eröffnung beschädigt worden. Eine Mahnwache findet heute um 17 Uhr statt.
Unbekannte hatten in der Nacht zu Samstag ein Sichtfenster der Betonstele durch massive Gewalteinwirkung zerschlagen, durch das eine Kuss-Szene zweier Männer zu erkennen ist. Außerdem wurde ein Bauzaun umgeworfen. Täter und Hintergründe der Tat am erst neu eröffneten Denkmal sind laut Polizeiangaben unklar.
Günter Dworek vom Lesben- und Schwulenverband bezeichnete die Demolierung als eine Schande. Der Anschlag mache drastisch deutlich, wie notwendig dieses Denkmal ist. „Die im Denkmal gezeigte Kuss-Szene trifft offenbar ins Schwarze. Auch in einer demokratischen Gesellschaft gibt es Menschen, die es nicht ertragen können, wenn sich zwei Männer im öffentlichen Raum küssen“, erklärt er weiter.
Derweil äußert sich Rudolf Brazda, der schwule Überlebende des Konzentrationslagers Buchenwald, entsetzt über die Tat: “Dieser Anschlag ist schrecklich, ekelhaft ist das! So etwas heute, nach all dem Leid und Grauen, das wir erleben mussten. Hundsgemein ist das! Die Menschen lernen offenbar nicht dazu, sie sind leider viel zu dumm dazu. Weil sie es nicht verstehen wollen, dass es so etwas gibt wie Homosexualität. Weil sie es nicht akzeptieren wollen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie.” Der 95-jährige Brazda ist der einzig bekannte Überlebende, der von den Nationalsozialisten aufgrund des Paragrafen 175 verurteilt wurde.
Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. hat für heute zu einer Mahnwache am Denkmal aufgerufen, an der auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), teilnehmen wird.
Mahnwache am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Ebertstraße, Höhe Hannah-Arendt-Straße, Berlin-Tiergarten. Beginn: 18. August 2008 um 17 Uhr.
(Quelle: queer.de, taz, pride1)


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