Straßenfeste und Paraden sind traditioneller Höhepunkt des alljährlichen Christopher-Street-Days. Diese öffentlichkeitswirksamen Demonstrationen sind sowohl bei Fürsprechern als auch Gegnern beliebt.
In Köln und Berlin finden deutschlandweit die größten Veranstaltungen statt. Die politischen Demonstrationen unterstreichen Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung und gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.
Am vergangenen Sonntag kamen rund eine halbe Million Menschen und mehr als 20.000 Teilnehmer mit 60 Paradewagen in Köln zusammen, um unter dem Motto “Null Toleranz für null Toleranz” gemeinsam zu demonstrieren und zu feiern. Die Parade genoss große Unterstützung aus breiten Teilen der Bevölkerung. Als provozierend kann hier höchstens eine Plakataktion des Kölner Lesben- und Schwulentages (KLuST) gesehen werden, die unter der Aufschrift “Vermisst!! Wo ist Kardinal Meisner?” den Kölner Erzbischof als Entführungsopfer darstellte.
Ganz anders die Situation in Ungarn. Dort konnten die rund 1500 TeilnehmerInnen des “Marsches der Würde” nur durch ein starkes Polizeiaufgebot vor rechtsextremen Übergriffen einigermaßen geschützt werden. Rechtsradikale bewarfen die Parade mit Pflastersteinen, faulen Lebensmitteln, Bierdosen, Müllkübeln und Molotow-Cocktails. Die Budapester Gay-Pride endete mit zahllosen brutalen Schlägereien, Verletzten und Festnahmen.
Die sozialdemokratische EU-Abgeordnete und Menschenrechtsaktivistin Katalin Levai suchte gemeinsam mit dem früheren Staatssekretär Gábor Szetey, der sich im vergangenen Jahr als schwul outete, Schutz in einem Streifenwagen und wurde dort von Randalierern attackiert. Sie sprach von einer “Lynch- und Pogromstimmung” und verurteilte die Intoleranz in Ungarn als beschämend.
In Budapest, wo die Parade seit zwölf Jahren durchgeführt wird, gab es nie zuvor solche Gewaltausbrüche. Einschlägige Internetforen hetzten bereits im Vorfeld zu Gewalt auf, mehrere Brandanschläge auf schwul frequentierte Lokale heizten die anti-homosexuelle Stimmung zusätzlich an. Die Erkenntnis, dass eine Gesellschaft aus pluralistischen Interessen, Ansichten und Lebensentwürfen besteht und die Freiheit des Einzelnen eine wesentliche Grundlage der Gesellschaftsordnung darstellt, scheint sich noch nicht überall durchgesetzt zu haben.
(Quelle: AP/dpa/Der Standard/taz)


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