Das Recht auf Privatleben erweist sich als wichtig für die Gesellschaft und ihre Akteure. Medien, Kultur, Wirtschaft und Staat haben allerdings ein großes Interesse an intimen Informationen.
“Ist George Clooney doch schwul?” – “Erwischt: Britney küsst eine Frau” – “Dieser Mann verdient 15 Millionen”. Jeder von uns kennt solche Schlagzeilen, die die aktuelle Berichterstattung beherrschen. Unsere Gesellschaft scheint durchdrungen zu sein von dem Wunsch, jedes Detail des Privatlebens von Akteuren öffentlich zu machen und an den medialen Pranger zu stellen.
Dabei dringen nicht nur die üblichen Boulevardblätter unter dem Vorwand des öffentlichen Interesses zunehmend aggressiv in die Privatsphäre der Bürger ein, auch der Staat sucht mit Lauschangriffen und Telekommunikationsüberwachungen gierig nach Einblicken in intime Informationen. Und wir sind dabei nicht untätig: Nachbarn brüllen in den Nachmittagssendungen des Privatfernsehens den Nachbarschaftsstreit in die Kameras, in Social Networks geben wir unsere privaten Aktivitäten, sexuellen Vorlieben, Freizeitinteressen, die neuesten Bilder der Geburtstagsparty und unseren Freundeskreis an. Das staatlich verordnete “Entblößen” zur Berechnung des Hartz-IV Antrages (Angaben zu Wohnverhältnissen, Ausstattung der Wohnung, sozialen Beziehungen, Einkommen, Vermögen, Angehörigen, Krankheiten usw.) interessiert selbst die Betroffenen höchstens marginal.
Der Respekt der Intimität und Schutz vor Indiskretion wird schnell als potentiell verdächtig ausgelegt. Wenn die Gesellschaft das Privatleben vollständig durchdringt, was bleibt da noch von der “unantastbaren” Würde des Einzelnen übrig?
Über den Verrat des Privatlebens und seine gesellschaftlichen Folgen hat Wolfram Weimer einen Artikel für Cicero, dem Magazin für politische Kultur, geschrieben.


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