Dezember 16, 2008

Schwuler Pastor

In die Kirche scheint freigeistliche Bewegung zu kommen. Nachdem zuletzt der Vatikan erklärte, die katholische Kirche respektiere die Rechte und Würde aller Menschen, anerkennt auch die evangelisch-lutherische Kirche die Homosexualität.

Bild eines Prozessions-Altars - Vielen Dank an (cc) wo.men

Im Speziellen geht es bei der evangelisch-lutherischen Landeskirche um den Umgang mit schwulen Pastoren. Hintergrund ist das Outing eines Pastors aus Hannover, der sich 1984 als einer der Ersten zu seiner Homosexualität bekannte.

Der Pastor erklärte sein Outing damit, dass er immer authentisch leben und seinen Partner nicht verleumden wolle. In den vergangenen Jahren wurde er daraufhin mehrfach beurlaubt, es folgte ein Disziplinarverfahren über 5 Jahre und öffentliche Proteste für die Unterstützung des Pastors. Rechtlichen Beistand erhielt er übrigens von Gerhard Schröder, dem späteren Bundeskanzler. Besondere Unterstützung habe ihm der Verein Homosexuelle und Kirche (HuK) geboten, der schwulen und lesbischen Christen aller Konfessionen helfe, ihren Glauben mit ihrer Sexualität zu vereinbaren.

Seit 2000 darf er wieder offiziell arbeiten, Landesbischöfin Käßmann setzte den Wartestand teilweise außer Kraft. Mittlerweile ist der Pastor und Seelsorger in der Altenpflege tätig, er hilft weiterhin als Einzelfallseelsorger im Justizvollzug und unterstützt HIV-Infizierte und an Aids Erkrankte.  Eine offizielle Entschuldigung der Kirche erhielt er nie, doch darum gehe es ihm nicht, denn die Kirche gehe heute viel offener und unkomplizierter mit schwulen Pastoren um.

“Wir sind Christen wie alle anderen, nur wir lieben gleichgeschlechtlich.” (Hans-Jürgen Meyer, Pastor)

Homosexualität sei kein Hindernis mehr für die Anstellung als Pastor oder Pastorin, sagt Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Maßgeblich sei allerdings die Anerkennung des Leitbildes von Ehe und Familie, außerdem darf die eigene sexuelle Veranlagung nicht im Gottesdienst thematisiert werden.

“Sexualität gehört in den Bereich der liebenden, vertrauenden Beziehung zwischen zwei Menschen, sei sie heterosexuell oder homosexuell – und in einer liebenden Beziehung ist sie ein großartiges Geschenk Gottes.” (Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident der Landeskirche Hannover)

Angehende homosexuelle Pastoren und lesbische Pastorinnen können sich an die Landesbischöfin Margot Käßmann und die Landessuperintendanten wenden. Diese stünden für Gespräche über die sexuelle Veranlagung und Lebensführung zur Verfügung und können beraten, inwieweit Verpartnerungen homosexueller Pastorinnen und Pastoren mit kirchlichen Aufgaben zu vereinbaren seien.

(Quelle: evlka.de, ad-hoc-news)

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