Oktober 23, 2006

Shortbus

Den Kinofilm “Shortbus” einzuordnen fällt schwer, da er Stilelemente verschiedenster Richtungen vereint: Er ist gleichzeitig Komödie, Sexfilm und Melodram. Also eine melodramatische Sex-Komödie vielleicht. Aber niemals ein komisches Sex-Melodram.

“Nach New York kommt man, um Vergebung zu finden”, so eine Aussage im Film. Oder um therapeutische Hilfe zu bekommen, so wie das schwule Pärchen, dessen Beziehung unbedingt für Dritte geöffnet werde soll und es deshalb bei einer Sexualtherapeutin Rat sucht. Die allerdings hat keine Ahnung von den Nöten ihrer Klientel, da sie noch nie einen Orgasmus bekam, sich aber trotzdem unaufhörlich mit ihrem Mann durch eine Art “Kamasutra für Fortgeschrittene” poppt und dank der Hilfe des schwulen Pärchens nun endlich ihr lesbisches ComingOut erlebt.

Nach New York kommt man manchmal auch, um “Shortbus” zu besuchen, einen grottig-schlechten Club mit noch schlechterer Atmosphare, aber stets kopulierendem Publikum. Sex verbindet jeden. Und natürlich sieht man in diesem Film jede Menge Sex: Hier ist der Yoga-Schüler, der sich selbst einen blasen kann (und dies auch ausgiebig tut), dort ist der Kunde einer Domina, der während einer Session auf Wandbilder ejakuliert. Während im “Sex-statt-Bomben”-Zimmer des Clubs die Gäste wild durcheinander kopulieren, fliegt durch alle Szenen eine erfrischend-leichte Kameraführung, die sich nie zu lang an einzelnen Filmsequenzen festklammert, sondern als verbindendes Element alle Erzählstränge des Films zusammen hält. Sex wird nicht tabuisiert oder als moralisch verwerfend dargestellt, sondern dient als naive Lösung verschiedenster Probleme. Sex ist normal. Pornographisch wirkt der Film nie.

Im Grunde sind alle Figuren dieses Films auf der Suche nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens und einem Weg, es zu genießen. So wie Du und Ich. Der Transvestit und Betreiber des “Shortbus” bringt es auf den Punkt: “Es ist wie in den Sechzigern, nur dass es weniger Hoffnung gibt.”

[youtube H8A1dwEhSMY]

Shortbus – eine Sex-Komödie mit großartigen Laiendarstellern. Regisseur: John Cameron Mitche. USA 2006. Senator Filmverleih. Sendestart war am 19. Oktober 2006.

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