Wie konservativ kann und darf eigentlich eine konservative Partei sein? Das Problem: Je weiter weg sich deren Weltbilder von der Lebenswirklichkeit entfernen, desto schwieriger wird womöglich ein Spagat zwischen dem Bewahren gefestigter Weltbilder und dem Anschluss an gesellschaftliche Entwicklungen. Vor solch einem Spagat steht nun auch die bairische CSU, die normalerweise eher durch konsequenter Ignoranz von Lebenswirklichkeit und Familienstrukturen von sich Reden macht.
Erstaunliches lässt sich aber nun ihrem neuen Grundsatzprogramm entnehmen. Zwar stehen traditionelle Familienstrukturen und das “Leitbild von Ehe und Familie” immer noch an oberster Stelle der Wertebewahrung, ebenso wie die Ablehnung der rechtlichen Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe, jedoch hat sie sich offensichtlich auch den real vorhandenen Lebenssituationen gestellt. Denn die CSU erkennt zumindest an und respektiert, wenn “in diesen Partnerschaften Menschen füreinander einstehen und verlässlich Verantwortung und Sorge füreinander übernehmen.”
Auch wenn konservative Teile der Partei auf die immer noch festgeschriebene Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft verweisen, gehen liberalere Bewegungen davon aus, dass der Wandel der CSU in jenen Fragen um die Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit begonnen hat und die Partei sich ihrer nicht länger verschließen kann.


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