Juni 19, 2008

Zwischen Tradition und Toleranz

Die anglikanische Weltgemeinschaft steht offenbar kurz vor der Aufspaltung in ein konservatives und liberales Kirchenlager. Auslöser ist die Frage nach dem Umgang mit Homosexualität. 

Die anglikanische Kirche befindet sich in einer tiefen Krise und wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit aufspalten. Es gebe „keine Hoffnung mehr“ auf eine Einheit mit dem liberalen Flügel der Gemeinschaft, der homosexuelle Priester in der Kirche akzeptiert, schreibt der Erzbischof von Nigeria, Peter Akinola, in einer Erklärung der anglikanischen Traditionalisten. Zuletzt sorgte auch das öffentliche Ja-Wort zweier homosexueller anglikanischer Geistlicher in einer Kirche der Londoner City für Schlagzeilen und heftige Diskussionen.

Die Kircheneinheit könne nur durch eine „Umkehr“ der liberalen US-Anglikaner wiederhergestellt werden. Die dortige Episkopalkirche hatte die Auseinandersetzung 2003 mit der Ernennung des bekennenden Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire ausgelöst. Man habe „mit großer Anstrengung“ versucht, die Krise zu verhindern, schreibt Akinola. Nun müsse gehandelt werden, betont der konservative Kirchenflügel in seiner Erklärung. Sonst drohe die Kirche „Millionen Menschen“ vom wahren Glauben wegzuführen, der in der Heiligen Schrift offenbart sei.

Die Erklärung mit dem Titel „Der Weg, die Wahrheit und das Leben“ erscheint im Vorfeld einer Konferenz zur Zukunft der anglikanischen Weltkirche (GAFCON), die am 22. Juni 2008 in Jerusalem und Amman beginnt. Das Treffen im Vorfeld der Lambeth Conference, dem höchsten Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft, die Ende Juli in England tagt, gilt als entscheidend für die Entscheidungsfindung des konservativen Flügels. Als Beobachter will der homosexuelle US-Bischof Robinson an der Lambeth-Konferenz teilnehmen. Auch ohne sein Erscheinen dürfte das Thema Homosexualität ein Hauptthema der Konferenz sein.

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April 30, 2008

HuK auf dem Deutschen Katholikentag

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. ist auf dem Deutschen Katholikentag in Osnabrück mit einem eigenen Zentrum und Programm vertreten.

Logo des 97. Deutschen Katholikentages Unter dem Motto “Du führst uns hinaus ins Weite” findet vom 21. bis 25. Mai 2008 der 97. Deutsche Katholikentag statt. Zwei Themenbereiche prägen in großen Vorträgen und Podienveranstaltungen das sich aus über 1.000 Veranstaltung zusammensetzende Programm des Katholikentags: Die Zukunft von Glaube und Kirche sowie die Zukunft der Gesellschaft. Prominente aus Politik, Kirche, Medien, Kultur und Sport sprechen über die Verantwortung von Christinnen und Christen für die Gestaltung der Zukunft und stellen sich der Diskussion mit den Teilnehmern.

Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) wird mit einem eigenen Zentrum und einem Stand auf der Kirchenmeile präsent sein. Für das gemeinsame Zentrum von HuK und dem Ökumenischen Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu) steht die Luthergemeinde, Iburger Str. 73, zur Verfügung. Gemeinsam werden konfessionsübergreifende Akzente gesetzt und dem Katholikentag die bunten Farbtupfer des Regenbogens hinzugefügt. Drei der Podien hat der offizielle Katholikentag in sein Programm übernommen.

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April 8, 2008

Klassifizierte Homosexualität

Diskussion über einen Versuch zur Aufhebung der kategorialen Unterscheidung von Homosexualität und Heterosexualität sowie über das moralische Problem der Kirche.

Am Mittwoch, dem 9. April 2008, findet um 19 Uhr ein Gesprächsaustausch in der Kölner Karl-Rahner-Akademie, Jabachstraße 4-8, zum Schwerpunkt Homosexualität statt. Die Leitung hat Regina Ammicht Quinn übernommen, Professorin für theologische Ethik an der Uni Tübingen.

In ihren Thesen wehrt sich Prof. Quinn gegen die Verwendung einer geschlossenen Kategorie der “Homosexualität”, da diese Unterteilung stets einen Vergleich mit einer “normalen” Mehrheit nach sich zöge. Diese Legitimierung in ihrer biologischen Klassifizierung müsse Homosexualität nicht notwendigerweise erbringen. Quinn verweist auch darauf, dass die Unterscheidung nach Homosexualität und Heterosexualität erst ein Produkt des 19. Jahrhunderts ist.

Die Wissenschaftlerin spricht sich vielmehr für die Erweiterung jener kulturell bedingten Ordnungsversuche aus, um das Problem dualistisch konstruierter Identitäten zu umgehen. Mit einem Verweis auf kirchliche Moral- und Ethikvorstellungen hebt sie weiterhin hervor, dass Sexualität nicht mit dem Faktor Fruchtbarkeit legitimiert sein sollte, sondern auch gleichgeschlechtliche Sexualität jenseits der biologischen Funktion für eine Gesellschaft “fruchtbar” sein kann und nicht per se in die “Sündenschublade” gesteckt werden müsse.

Einen interessanten Einblick in ihre Thesen gibt das Interview des Kölner Stadt-Anzeigers mit Prof. Quinn.

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Februar 13, 2008

Liberaler Kurs der Kirche

Erzbischof Robert Zollitsch - Vielen Dank an (c) Deutsche Bischofskonferenz Die katholische Kirche in Deutschland scheint längst nicht mehr so konservativ zu sein wie ihr Ruf. Am 12. Februar wurde der liberale Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch an die Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Zusammenschluss aller Bischöfe in Deutschland und koordiniert u.a. die kirchliche Arbeit.

Die Bischöfe und Weihbischöfe hatten den 69jährigen Zollitsch zum Nachfolger von Kardinal Karl Lehmann gewählt, der das Amt nach 21 Jahren aus gesundheitlichen Gründen abtrat. Zollitsch führt die vergleichsweise liberale Haltung seines Vorgängers fort, gilt als "Brückenbauer", der Konsens statt Konfrontation sucht, und genießt einen exzellenten Ruf sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche.

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Februar 10, 2008

A Jihad for Love

Der Dokumentarfilm "A Jihad for Love" des Regisseurs Parvez Sharma zeigt, wie homosexuelle Muslime die Gegensätze zwischen Religion und Sexualität miteinander vereinbaren. Er ist ein Beitrag auf der Berlinale 2008 und bewirbt sich in der Rubrik Panorama Dokumente um den Goldenen Bären sowie um den lesbisch-schwulen Teddy Award.

Sharma recherchierte knapp sechs Jahre lang und sprach mit Schwulen und Lesben aus unterschiedlichen muslimischen Ländern. Vor allem in Staaten, in denen Homosexualität ein Tabu darstellt, ist das Leben von lesbischen und schwulen Muslimen stark eingeschränkt. Einige von ihnen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, weil sie aufgrund ihrer Sexualität verfolgt werden.

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